Already over 250 projects have been undertaken by citizens working with artists of international renown in eight European countries.
Giving to all people – independent of financial means, educational or social status – the means to assume responsibility to commission the work of an artist for the general good.
THE PROJECTS
of NEW PATRONS take place in three steps:
Step 1
THE REASON FOR COMMISSIONING
You have an issue or problem that you share with your colleagues, neighbours or association members, and you believe an art project is the right way to make this public. You then contact your regional mediator, a renowned art curator. In conversations, she or he helps to formulate the content of the project. She or he arranges a meeting with an artist – from the discipline (fine art, architecture, design, music) which you will have chosen together – who is able to give form to your project.
Step 2
DIALOGUE WITH THE ARTIST
The artist develops a clear proposal in reference to the exchanges that have taken place with the mediator and the patrons.
Step 3
CREATION OF ARTWORK
With guidance from the mediator, you seek financial, governmental and political support for the project. The patrons, the artist and the mediator all remain involved until the completion of the project. You play an essential role in how the society receives it.
The Manifesto
of the New patrons Society
is shaped like a Protocol* which defines the roles and responsibilities of the players who act together with the purpose of creating works of arts and of their contexts.
  • This Protocol offers to every person wishing it within civil society the means to take on, either individually or in association with others, the role of commissioning a work of art to an artist; it also offers to give such people the means to legitimize an investment in its creation which will be requested from the community. In this new role, this person has to understand and to state a raison d’être for art, to state what it is meant to be.
  • It offers to the artists, to involve art in life and to act with people who have expressed the desire of it and who give a use value to the forms and concepts created.
  • It offers to the mediators who establish connections between the works and the public, to do the link also between the person of the artist and the person of the patron, and beyond them, among all the players who will be involved. Guaranteeing the respect for the requirements of the demand and of the creative activity, this mediator evaluates with the players the relevance and feasibility of the project. He suggests the appropriate medium and artist as well as offers the technical, legal and financial expertise required to act. The initiative of an artist could also be taken into consideration by this mediator if he deems this one echoes contemporary issues. He then acts as a link between the person of the artist and the needs of the community he represents and which grants him power to act.
  • It offers to the political actors and the trustees of public or private organizations, whether they are nonprofit organizations or not, to take into consideration the initiatives of the patrons and to assume the mediation between them and the community in which the work will be integrated. If they so wish, they can also, on their own or in association with others, take on the responsibility for a commission.
  • It offers to researchers in their specific fields, to help the recognition of the necessity, to put into perspective the undertaken action and to base it on an understanding of situations and challenges at stake which should be the most widely shared.

In committing to an equal sharing of responsibilities, all players agree to manage through negotiation the tensions and conflicts inherent to public life within a democracy. The work of art thus ceases to be merely the emblematic expression of one’s individuality but to become the expression of autonomous people who set community by giving a shared meaning to art work.

François Hers
* The implementation of this Protocol began in 1991 and was made possible thanks to the Fondation de France and Xavier Douroux whose commitment was then followed by other mediators and partners in France and in Europe.




Die Geschichte der
Neuen Auftraggeber
Seit der Herausbildung der Demokratie und dem Zeitalter der Romantik, über die Dada-Bewegung und die Generation der Sechzigerjahre hinweg, artikulieren KünstlerInnen immer wieder die Notwendigkeit, das Leben und die Kunst zusammen zu bringen.

Die Politiker ihrerseits betonen stets aufs Neue die Notwendigkeit, die Kultur zu demokratisieren, und es gibt wohl keinen Kulturverantwortlichen mehr, der sich nicht um eine engere Bindung zwischen Kunst und Publikum bemühen würde.

Dennoch ist es weder durch die Anstrengungen der KünstlerInnen oder die beträchtliche Ausweitung des kulturellen Angebots noch durch die Qualität der Arbeit der einzelnen Einrichtungen gelungen, den Menschen in unserer Gesellschaft die Möglichkeit zu geben, sich die Freiheit der Kunstschaffenden und die Autonomie der Kunst zu eigen zu machen. Das oberste Ziel der Demokratie, den Menschen zu einem Akteur der Geschichte werden zu lassen, wurde somit noch nicht erreicht.

Das Gute infrage zu stellen, Vorurteile und Bestehendes anzuzweifeln oder zu bedauern, dass die Qualitätskriterien in immer stärkerem Maße von Markt und Showbusiness bestimmt werden, hilft uns nicht, die Frage danach zu beantworten, wie Andersartiges eingeordnet werden kann und wie die Bedürfnisse, die hinter den verschiedenen Ausdrucksweisen stehen, befriedigt werden könnten. Welche Form müsste ein gemeinsames Handeln künftig annehmen? Wie sollte es in der konkreten Umsetzung aussehen? Im Namen welcher Bedürfnisse sollte es erfolgen? Durch wen und wo sollte entschieden werden?

Wir geben eine mögliche Antwort auf diese verschiedenen Fragen und schlagen ein Handlungskonzept vor, das unter dem Titel »Neue Auftraggeber« Grundlage für eine neuartige Kulturpolitik sein könnte.

Die Herleitung

Kulturpolitik kann grundsätzlich auf die folgenden vier Bereiche ausgerichtet sein:

Die Bewahrung der Formensprache der Vergangenheit, die unser Erbe und das Gedächtnis unseres Kulturkreises ausmacht. Die Verbreitung der Kunstprojekte durch Museen, Konzertsäle, Theater, Bibliotheken, Festivals und Biennalen, um sie jeder Bürgerin und jedem Bürger zugänglich zu machen. Die Bildung des Publikums und der KünstlerInnen durch Lehrprogramme in kulturellen oder akademischen Einrichtungen.

Diese ersten drei Bereiche werden bereits auf kommunaler, regionaler und staatlicher Ebene finanziert und umgesetzt. Hierfür wird, in Form von Investitionen und Verwaltungskosten, der größte Teil der für gemeinnützige Aufgaben bestimmten öffentlichen und privaten Mittel ausgegeben.

Der vierte Bereich ist die Produktion. Dieser wird im Vergleich zu den ersten drei nur in einem relativ geringen Ausmaß gefördert, einmal abgesehen von den wenigen Möglichkeiten der Förderung kreativer Prozesse, etwa durch Stipendien, öffentliche Aufträge oder Künstlerprogramme, und der Unterstützung des audiovisuellen Produktionsbereichs. Und mit welcher Begründung sollten in einer Demokratie auch KünstlerInnen und AutorInnen, die in Eigeninteresse handeln, in großem Umfang unterstützt werden?

Aber gerade dieser Bereich kann im Hinblick auf die zum Ausdruck gebrachten Bedürfnisse befriedigende Antworten liefern.

Während die ersten drei Bereiche ihre Basis in bereits existierenden Kunstprojekte haben, ermöglicht es der vierte Bereich, der die Produktion umfasst, an einem früheren Zeitpunkt anzusetzen, in dem Augenblick nämlich, in dem die Daseinsberechtigung eines wie auch immer gearteten Projekts definiert wird. Diese Definitionsarbeit ist ausschlaggebend. Sie wird durch das im Folgenden vorgestellte Handlungsmodell der »Neuen Auftraggeber« ermöglicht.

Ausgehend von diesem Modell können ausnahmslos alle gesellschaftlichen Akteure an jedem beliebigen Ort eines Landes einbezogen werden. Ohne eine solche Beteiligung ist es illusorisch, sich der Herausforderung stellen zu wollen, Gemeinschaften mit einzelnen Personen und Staaten herzustellen und die Koexistenz und Zusammenarbeit der verschiedenen Kulturen und Wirtschaftssysteme im Kontext der Globalisierung zu fördern.

Durch das Modell wird eine Investition legitimiert, die im Übrigen nur geringe Verwaltungskosten nach sich zieht, denn keine Gemeinschaft kann umfangreichen Investitionen zustimmen, wenn sie nicht weiß, wofür, und wenn sie die Kosten nicht kontrollieren kann.

Mit Unterstützung einer großen Stiftung, der Fondation de France, wird dieses von dem Künstler François Hers entwickelte Modell seit 1993 mithilfe von unabhängigen VermittlerInnen, die im Rahmen eines Vereins für zeitgenössische Kunst tätig werden, erprobt. In ihrer Arbeit vor Ort mit unterschiedlichen Menschen und an ganz verschiedenen Standorten, in Frankreich und weiteren europäischen Ländern, hat sich das Modell bewährt.

Die Arbeit hat auch gezeigt, wie überaus wichtig die Beteiligung von Stiftungen und Vereinen ist. Denn diese unterstützen die Initiative von Einzelpersonen und wirken durch eine neuartige Verwaltung der Finanzmittel auf deren konkrete Umsetzung hin.

Das Handlungsmodell

Die »Neuen Auftraggeber« machen aus dem künstlerischen Schaffensprozess ein gemeinsames Projekt, damit die kulturellen Entwicklungen und die aktuellen Veränderungen des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens darin Berücksichtigung finden können.

Die Herstellung einer Verbindung zwischen der Gesellschaft und ihren KünstlerInnen gestattet es ersterer, ihre Rolle als Zuschauer oder Konsumenten eines Kulturproduktes zu verlassen und zu einem Akteur zu werden, der die Kunst mit einem konkreten Gebrauchswert versieht.

Das Modell generiert einen Dialog und eine Zusammenarbeit zwischen Einzelpersonen. Die sozialen Beziehungen sind nicht mehr nur durch das Recht oder eine Institution vorgegeben, sondern frei verhandelbar, damit ein Kunstprojekt entstehen kann. Wenn dieses Modell im öffentlichen Bereich genutzt wird, trägt es zu dessen Symbol- und Innovationskraft bei.

Die Erprobung des Modells hat gezeigt, dass es in der Gesellschaft eine echte Nachfrage nach zeitgenössischer Kunst gibt. Des Weiteren ist auch das Potenzial vorhanden, die Verantwortung sowohl für deren öffentlichen Ausdruck als auch für die entstehenden Kosten zu tragen und die aktuellen künstlerischen Formen mit den damit verbundenen Risiken anzuerkennen.

Da jeder Auftrag aus einem besonderen Kontext heraus zustande kommt, gestattet das Modell eine individuelle Zusammensetzung der Produktionsmittel und die Mobilisierung von Personen und Finanzierungsinstrumenten, die bis dato für den Kunstbereich unüblich bzw. unzugänglich waren. Die Rolle jedes Einzelnen wird klar definiert und die Verantwortung entsprechend aufgeteilt.

Konkret bietet es jeder Bürgerin und jedem Bürger Gelegenheit und Mittel, allein oder gemeinsam mit anderen, ein Kunstwerk in Auftrag zu geben, das einer ganz bestimmten Nachfrage entspricht. Dadurch wird wiederum den KünstlerInnen die Möglichkeit gegeben, Formen zu erfinden, die durch eine äußere Notwendigkeit motiviert sind.

Ein wichtiger Bestandteil des Modells ist das Konzept der Gemeinnützigkeit. Dadurch können die gewählten Politiker den Entwicklungsbedarf von Personen und Territorien zur Kenntnis nehmen und dazu beitragen, diesem auf eine andere Weise zu entsprechen. Diejenigen, die für die Verteilung der öffentlichen oder privaten finanziellen Mittel zuständig sind, können in besserer Kenntnis der Sachlage und effizienter in ihre jeweiligen Bereiche investieren.

Die VermittlerInnen, die den zeitgenössischen Kunstschaffenden mit ihren individuellen Handlungsweisen zur Seite stehen, bringen sämtliche notwendige Kenntnisse und Kompetenzen in den Dialog und in das gemeinsame Handeln aller betreffenden Akteure ein. Durch ihre Arbeit kann die Beziehung zwischen der gesellschaftlichen und der künstlerischen Wirklichkeit vertieft werden.

Die verschiedenen Beteiligten tragen dazu bei, das Verständnis der Komplexität der Zusammenhänge und Situationen zu erleichtern. Auf der Grundlage des freien Zusammenschlusses von Einzelpersonen ohne Konsenszwang und in Anerkennung ihrer individuellen Anschauungen stellt die Arbeit der »Neuen Auftraggeber« die Personen ebenso wie die Kunst in den Mittelpunkt einer neuen gemeinnützigen Politik.



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